Architektur: Pritzker-Preis geht an Balkrishna Doshi

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print

Professor Balkrishna Doshi aus Indien wurde als Preisträger für den Pritzker Architektur-Preis ausgewählt. Das gab Tom Pritzker, der Vorsitzende der Hyatt Foundation bekannt, die den Preis auslobt, eine der höchsten Würdigungen für Architekten.

aranya1

Professor Balkrishna Doshi wurde als Preisträger für den Pritzker Architektur-Preis ausgewählt. Das gab Tom Pritzker, der Vorsitzende der Hyatt Foundation bekannt, die den Preis auslobt, eine der höchsten Würdigungen für Architekten.

Als Architekt, Stadtplaner und Lehrer habe Doshi in den vergangenen 70 Jahren den Diskurs über die indische Architektur und darüber hinaus wesentlich mitgeprägt, so die Juroren. Unter dem Einfluss der Meister des 20. Jahrhunderts wie Charles-Édouard Jeanneret, bekannt als Le Corbusier, und Louis Khan, konnte Doshi Architektur interpretieren und sie in gebaute Formen umsetzen, die der östlichen Kultur Respekt erweisen und gleichzeitig die Lebensqualität in Indien verbessern helfen. Sein ethischer und persönlicher Zugang zur Architektur hat über unterschiedlichste Genres hinweg seit den 50er Jahren die Lebensweise aller sozialen Schichten zu berühren vermocht.

Le Corbusier als Vorbild

Doshi erklärt: „Meine Arbeiten sind eine Weiterung meines Lebens, meiner Philosophie und meiner Träume, um eine Schatzkammer des Geistes in der Architektur zu erschaffen. Diesen angesehenen Preis verdanke ich meinem Guru, Le Corbusier. Seine Lehre führte mich dazu, Identität zu hinterfragen, und er brachte mich darauf, einen neuen, regional verfassten zeitgenössischen Ausdruck für einen nachhaltigen, ganzheitlichen Lebensraum zu entdecken.“

Die Baukunst von Doshi erforsche die Beziehungen zwischen den Grundbedürfnissen menschlichen Lebens, der Verbindung zum Selbst und zur Kultur und dem Verständnis sozialer Überlieferungen im Kontext eines Orts und seiner Umgebung und als Reaktion auf den Modernismus.  Kindheitserinnerungen, vom Rhythmus der Wetters bis zum Läuten der Tempelglocken, durchdringen seine Entwürfe. Er beschreibe Architektur als eine Erweiterung des Körpers. Die Fähigkeit des Architekten, der Funktion achtsam zu folgen, und dabei Klima, Landschaft und Verstädterung im Auge zu behalten, spiegelt sich in der Wahl der Materialien, den überlappenden Räumen und dem Einsatz von natürlichen und harmonisierenden Elementen.

Magnete der Möglichkeiten

Tom Pritzker führt aus: „Professor Doshi hat gesagt, dass ‚Design Zufluchtsorte in Häuser verwandelt, Wohnungen in Gemeinschaften und Städte in Magnete der Möglichkeiten‘ Das Lebenswerk von Balkrishna Doshi unterstreicht in Tat und Wahrheit die Mission des Preises – die Kunst der Architektur und den unschätzbaren Dienst an der Menschheit zu zelebrieren. Ich fühle mich geehrt, den 40. Jahrestag dieses Preises einem Architekten zu widmen, der uns allen mehr als 60 Jahre lang seinen Dienst erwiesen hat.“

Der Architekt hat Aranya Low Cost Housing (Indore, 1989) konzipiert, eine Wohneinheit, die derzeit mehr als 80‘000 Menschen in einem System von Häusern, Höfen und einem Labyrinth von Wegen beherbergt. Die mehr als 6‘500 Wohnstätten für Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen reichen von bescheidenen Einzimmer-Appartments bis hin zu weitläufigen Wohnungen. Sich überlappende Schichten und Übergangszonen sollen fließenden und anpassbare Lebensbedingungen anregen, wie sie für die indische Gesellschaft typisch sind.

Die Architektur von Doshi wird gleichermaßen als poetisch und funktional angesehen. Das Indian Institute of Management (Bangalore, 1977-1992), entfaltet sich, von den labyrinthischen indischen Städten und Tempelanlagen inspiriert, als eine Ansammlung von ineinandergreifenden Gebäuden, Höfen und Galerien. Es bietet auch eine Vielzahl von Räumen, die das heiße Klima abschirmen. Das Maß des Mauerwerks und riesige Korridore, durchwoben von einem grünen Campus, erlauben den Besuchers gleichzeitig innen und außerhalb zu sein. Wenn die Menschen die Bauten und Räume durchschreiten, lädt Doshi sie ein, ihre Umgebung zu erfahren und eröffnet die Möglichkeit der Verwandlung.

Gemeinsam bewegen

Die Jury führt aus: „Über viele Jahre hat Balkrishna Doshi immer eine Architektur geschaffen, die ernst ist, niemals auf den oberflächlichen Effekt aus und niemals der Mode folgend. Mit einem tiefen Verständnis für Verantwortung und dem Wunsch, für sein Land und dessen Menschen mit authentischer Architektur in hoher Qualität einen Beitrag zu leisten, hat er, unter vielen anderen, Projekte entwickelt für öffentliche Behörden und Versorgungsunternehmen, Schulen und kulturelle Einrichtungen und Wohnungen. Doshi ist sich sehr genau des Kontexts bewusst, in dem seine Bauwerke stehen. Seine Lösungen stellen die sozialen, ökologischen und ökonomischen Dimensionen in Rechnung, und deshalb ist seine Architektur tiefgehend mit der Nachhaltigkeit verwoben.“

Sein Studio, Sangath (Ahmedabad, 1980) lässt sich übersetzen mit „gemeinsam bewegen“. Die Anordnung der gemeinschaftlichen Räume mit einem Garten und einem Amphitheater, lässt Doshis Achtung für Gemeinsamkeit und soziale Verantwortung zu Tage treten. Gewölbte Dächer, Mosaiks mit Porzellanfliesen, Rasenflächen und abgesenkte Räume mildern die extreme Hitze. Die Ausführung der Fliesen wiederholt sich in dem vom Schildkrötenpanzer inspirierten Dach von Amdavad Ni Gufa (Ahmedabad, 1994), einer unterirdischen Kunstgalerie mit Werken von Maqbool Fida Husain.

Werke

Zu den weiteren erwähnenswerten Werken Doshis gehören unter anderem die akademische Einrichtung Centre for Environmental Planning and Technology (CEPT University) (Ahmedabad, 1966-2012), kulturelle Räume wie die Tagore Memorial Hall (Ahmedabad, 1967), das Institute of Indology (Ahmedabad, 1962) und die Premabhai Hall (Ahmedabad, 1976); die Wohnkomplexe Vidhyadhar Nagar (Jaipur, 1984), der Firmensitz einer Lebensversicherung oder „Bima Nagar“ (Ahmedabad, 1973) und die private Residenz Kamala House (Ahmedabad, 1963).

Doshi ist der 45. Pritzker-Preisträger und der erste aus Indien. In diesem Jahr erinnern die Feierlichkeiten an den 40. Jahrestag dieser Auszeichnung und werden im Mai am Aga Khan Museum in Toronto, Kanada, stattfinden. Der Preisträger Balkrishna Doshi wird einen öffentlichen Vortrag halten.

Bild oben:  Balkrishna Doshi (Photo courtesy of VSF)

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
E-Mail
Share on print
Drucken
Werbung

Ihre Meinung zum Artikel

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei
Werbung

Redaktionsbrief

Tragen Sie sich zu unserem Redaktionsbrief ein, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Werbung
Werbung

Aktuelle Ausgabe

Topthema: So Digitalisiert die Bauwirtschaft

.

Mehr erfahren

Entdecken Sie weitere Magazine

Schön, dass Sie sich auch für weitere Fachmagazine unseres Verlages interessieren.

Unsere Fachtitel beleuchten viele Aspekte der Digitalen Transformation entlang der Wertschöpfungskette und sprechen damit unterschiedliche Leserzielgruppen an.